Trauerfeier Franz Stüwe

Trauerfeier Franz Stüwe

Abschied von einem Gründer und Pionier (Foto PNP)

20. Januar 2010

Pfarrkirchen. In einer bewegenden Trauerfeier in der Gartlbergkirche haben gestern Familie, Freunde, Mitarbeiter, Geschäftspartner sowie Vertreter aus Landwirtschaft und Politik Abschied von Franz Stüwe genommen. Der Unternehmer war im Alter von 67 Jahren schnell und unerwartet an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben, den er während der Grünen Woche in Berlin erlitten hatte.

Wie beliebt und geschätzt der als „Pionier der Landwirtschaft“ geltende Unternehmer war, zeigte sich an der großen Trauergemeinde. Dicht gedrängt saßen und standen hunderte von Menschen in der Wallfahrtskirche. Viele verfolgten das Requiem, das von Caroline Schmidt-Pollex (Harfe) und dem Männerchor Harmonie umrahmt wurde, auf dem Friedhof. Dorthin wurde es per Lautsprecher übertragen.

Artikel PNP - Franz Stüwe

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„Er war einer von uns. Einer, der die Menschen kannte, und uns viel im Leben gegeben hat“, sagte Dekan Hans Eder. Der Stadtpfarrer, der mit einfühlsamen Worten auf das Leben Stüwes blickte, stellte einen Ausspruch des hl. Augustinus in den Vordergrund: „Wir meinten, wir brauchen ihn noch, aber Gott sprach, es ist genug“. Franz Stüwe sei ein Mensch mit tiefem christlichen Glauben gewesen. Aus dieser Kraft heraus habe er gelebt und gehandelt. Durch die Kraft des Glaubens habe er alles geschafft. Von Kindheit an sei er ein Landwirt mit Leib und Seele gewesen. „Wir kennen ihn als aktiven Menschen, der besonderen Wert auf die Familie gelegt hat“, betonte der Stadtpfarrer, der auch Stüwes Engagement um die Gartlbergkirche hervorhob und ihm für die finanzielle Unterstützung bei der Renovierung des Gotteshauses ein „herzliches Vergelt’s Gott“ mit auf seinem letzten Weg gab.

In den vier folgenden Nachrufen würdigten die Redner den Menschen Franz Stüwe und das Lebenswerk des verstorbenen Familienvaters und Unternehmers. Zielstrebig, hilfsbereit, großzügig und sozial engagiert, lauteten die Attribute. „Er war ein besonderer Mensch, der Hervorragendes geleistet hat“, meinte Bürgermeister Georg Riedl. Er selbst hatte die letzten Stunden seines Freundes am vergangenen Freitag in Berlin miterlebt. Riedl bezeichnete Stüwe als einen gradlinigen Unternehmer mit fachlicher und sozialer Kompetenz. Stüwe, der die BBJ-Unternehmsgruppe aufgebaut hat, sei ein gerechter Chef gewesen und habe die Leistungen der Mitarbeiter zu honorieren gewusst. „Sein Rat und Wissen waren hoch geschätzt.“ So wurde Stüwe in Anerkennung seiner Verdienste unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und der Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet.

Persönliche Worte des Trostes fand Riedl für die Witwe Renate Stüwe und die vier Kinder.„Er war ein positiver Mensch mit hintergründigem Humor“, so Landrätin Bruni Mayer, die sich auch im Namen des Verwaltungsrates der Sparkasse Rottal-Inn an die Trauernden wandte. Sein Bestreben sei es immer gewesen, der Aufgabe als Verwaltungsrat gerecht zu werden.

Manfred Nüssel, Verwaltungsratsvorsitzender des landwirtschaftlichen Buchführungsdienstes (LBD) und Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes, erinnerte sich an die letzte Begegnung mit Franz Stüwe vor wenigen Tagen in Berlin. Seine Gedanken seien stets bei seiner Familie und der Firma gewesen. „Die Nachricht vom plötzlichen Tod hat uns alle erschüttert.“ Rückblickend auf das Lebenswerk des Verstorbenen, sagte Nüssel, dass die BBJ-Unternehmensgruppe ihren Erfolg Franz Stüwe zu verdanken habe. Gerne, so Nüssel, erinnere er sich an gemeinsame Reisen, beispielsweise nach Ungarn, wo Stüwe mit viel Akribie einen landwirtschaftlichen Betrieb errichtet habe.

„Ich verliere einen kompetenten Weggefährten und Freund“, sagte der Präsident des deutschen und bayerischen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner. Er würdigte vor allem Stüwes Engagement in der Bayerischen Jungbauernschaft. „Ich habe seinen Tatendrang und seinen Schwung immer als Vorbild gesehen.“ Sonnleitner nannte Franz Stüwe einen Vollblutunternehmer, Gründer und Pionier, der den Bauernverband sein ganzes Leben lang konstruktiv und loyal begleitet habe.


(Autorin: Sabine Wagle   Quelle: PNP 21.01.2010)

Trauerrede von Herrn Präsident Sonnleitner

Trauerrede von Herrn Präsident Sonnleitner

anlässlich der Beerdigung
von Herrn Franz Stüwe am 20. Januar 2010 in Pfarrkirchen


"Die Internationale Grüne Woche Berlin 2010 wird für mich untrennbar mit dem plötzlichen Tod von Franz Stüwe verbunden bleiben. Franz Stüwe wurde im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Leben und aus unserem Miteinander herausgerissen. Die Nachricht von seinem Ableben hat mich wie viele andere fassungslos und bestürzt gemacht. Ich verliere mit ihm einen außerordentlich engagierten und kämpferischen Weggefährten, Mitstreiter und Freund. Ich weiß, dass dies auch für viele der hier Anwesenden gilt. Und ich weiß, dass er vielen als kompetenter Fachmann abgehen wird.

Noch am Donnerstagabend, nach der Eröffnung der Grünen Woche, hat er sich unter den Ehrengästen bewegt, wie wir ihn alle kennen: stark, gesund aussehend, unterhaltsam, ein bisschen herausfordernd. Der stattliche Mann mit dem schlohweißen Haar war in der Menge nicht zu übersehen. Im April wäre er 68 Jahre alt geworden. Man hat ihm dieses Alter nicht angesehen...Er, der durch seinen Hof und seine unternehmerischen Beziehungen eine besondere Verbundenheit zu Ungarn hatte, genoss offensichtlich den Empfang des diesjährigen Partnerlandes der Internationalen Grünen Woche ganz besonders. Umso tragischer, dass ausgerechnet dieser Abend auch sein letzter sein sollte.

Veranstaltungen wie die Grüne Woche waren für ihn ein spezielles Forum der Begegnung mit zahllosen Menschen und Partnern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden, weil er schon „Netzwerker“ war, als diesen Begriff noch gar niemand verwendet hat. Seine guten und oft engen Kontakte reichten in die Politik, in Verbände, in Verwaltungen, in die Industrie und zu vielen relevanten landwirtschaftlichen Selbsthilfeeinrichtungen - in Bayern, im Bundesgebiet und in ganz Europa. Und überall war Franz Stüwe mit seiner fachlichen Kompetenz und seinem Unternehmergeist anerkannt und geschätzt.

Mir war er über 30 Jahre lang ein verlässlicher und in fast jeder Beziehung kundiger Weggefährte – in der Bayerischen Jungbauernschaft, im Bayerischen Bauernverband im Kreisverband und erst recht nach meiner Wahl zum Präsidenten hier und im Deutschen Bauernverband. Dafür bin ich ihm von Herzen dankbar.

Mein Weg mit ihm hat in der Bayerischen Jungbauernschaft begonnen. Er hat sich damals ganz besonders für den berufsständischen Zweig und damit für den Charakter der Bayerischen Jungbauernschaft als Nachwuchsorganisation des Bayerischen Bauernverbandes stark gemacht. Damals stand er als Pächter eines Schweinemastbetriebs in der landwirtschaftlichen Praxis. Und schon damals war er wacher Beobachter der Entwicklungen in der Landwirtschaft, hat sich seine Meinung gebildet und klar Position bezogen. Er hat die jungen Bauern ermutigt, ihre Anliegen gegenüber der Öffentlichkeit, gegenüber der Politik und auch gegenüber dem Bauernverband klar zu artikulieren, aber auch selbstbewusst zu vertreten und sich dafür einzusetzen. Nach dieser Maxime hat er sich auch in Selbsthilfeeinrichtungen engagiert.

Sein immenses Engagement in der Bayerischen Jungbauernschaft hat er sein ganzes Leben lang praktiziert. Das gilt auch für die konstruktive und beinahe fürsorgliche Begleitung der Jungbauern- und Jungbäuerinnenschule in Grainau. Aus- und Fortbildung waren für ihn Schlüsselfaktoren für den landwirtschaftlichen Nachwuchs.

Deshalb war für ihn seine Mitwirkung in der 2008 gegründeten Max-Schönleutner-Gesellschaft an der Fachschaft Agrar- und Gartenbauwissenschaften an der TU München-Weihenstephan selbstverständlich. Noch in der vergangenen Woche hat er einen ganzen Tag lang an einer Sitzung in Herrsching teilgenommen und sich engagiert an der Diskussion über die Zukunft der Agrar- und Gartenbauwissenschaften beteiligt.

Ich habe seinen Tatendrang, seinen Schwung und seine Zielstrebigkeit immer als Vorbild gesehen. Wenn Franz Stüwe von einer Sache überzeugt war, ist er keiner Diskussion ausgewichen. Sein Potenzial an Standhaftigkeit, Zähigkeit, wenn nötig auch Sturheit in der Verfolgung von Zielen, von denen er einmal überzeugt war, war enorm und vorbildlich.

Ich sage das im Bewusstsein, dass Franz Stüwe es einem nicht immer leicht gemacht hat. So wichtig er als Mitstreiter gewesen ist, so schwierig konnte er als Streiter sein. Er konnte harte Dispute auch über längere Zeit hinweg führen. Aber man konnte sicher sein, dass das Persönliche dabei nicht verletzt wurde, es gab keine Beleidigung und Trübung des persönlichen Verhältnisses.

Wer ihm begegnet ist, hat ihn als freundlichen, umgänglichen und interessierten Menschen kennen gelernt.  Wer länger mit ihm zu tun hatte, hat erlebt, welche Zielstrebigkeit und Geradlinigkeit seinem Handeln immer zugrunde lagen. Umwege mochte er nicht. Aber es war auch nicht so, dass er seine einmal gesetzten Ziele oder erkannten Chancen stur, bedingungslos und unbeeinflussbar verfolgt hätte. Man konnte mit ihm über alles diskutieren. Und er hat sich dafür häufig für seine Verhältnisse sehr viel Zeit genommen. Aber dann wollte er zu einem Ergebnis kommen. Und das war meistens, wenn nicht identisch, dann doch nicht weit von dem entfernt, was er von Anfang an verfolgt hat.

Franz Stüwe war ein Gründer und Pionier. An der Spitze der kleinen Gruppe engagierter Mitglieder der Bayerischen Jungbauernschaft, die 1968 den Buchführungsdienst gegründet haben, formte er über 3 Jahrzehnte hinweg die eindrucksvolle und erfolgreiche BBJ-Unternehmensgruppe – sein Lebenswerk. Er war beteiligt an der Entwicklung der Land-Data als bundesweit agierendes Rechenzentrum für landwirtschaftliche Buchstellen und am weiteren Ausbau der Land-Data-Dienstleistungen. Er hat den speziellen Beratungsbedarf in der Landwirtschaft oft vor allen anderen erkannt, Lösungen gesucht, vorangetrieben und schließlich angeboten.
Er hat früher als alle anderen erkannt, welch effektives Instrument die EDV für den landwirtschaftlichen Unternehmer ist.

Die einzelnen Gesellschaften der BBJ-Unternehmensgruppe bilden ab und bieten an, was landwirtschaftliche Unternehmen für erfolgreiches Handeln brauchen. Der Buchführungsdienst der Bayerischen Jungbauernschaft mit Franz Stüwe an der Spitze war in seinen Anfängen dem Berufsstand auf dem eminent wichtigen Feld der Buchführung zuvorgekommen. Franz Stüwe war immer bereit zum Dialog, wenn auch häufig zu den eigenen Bedingungen. Das konnte er sich leisten, weil er erfolgreich war.


Aber Franz Stüwe war viel zu sehr Vollblut-Unternehmer, als dass er nicht auch die Chancen eines gemeinsamen Weges erkannt hätte. Und so ist er mit der Regelung einer engeren Zusammenarbeit der BBJ-Unternehmensgruppe mit dem Bayerischen Bauernverband, der Buchstelle, dem Beratungsdienst und der Treukontax einen weiteren Meilenstein in seinem Lebenswerk gegangen. Wie wichtig und bedeutend er diese Zusammenarbeit einschätzte, bewies er zuletzt mit der Beteiligung an der jüngsten BBV-Tochter, der bbv-Landsiedlung.

Franz Stüwe hat den Bayerischen und den Deutschen Bauernverband sein ganzes Leben lang kritisch, aber loyal begleitet. Er war zutiefst davon überzeugt, dass die Land- und Forstwirtschaft eine geschlossene und starke Berufsvertretung braucht. In dieser Überzeugung hat er sich im Bayerischen und Deutschen Bauernverband in vielen Gremien auf vielen Ebenen eingebracht. Wir haben ihn dafür anlässlich seines 65. Geburtstages mit der Andreas-Hermes-Medaille des Deutschen Bauernverbandes ausgezeichnet. Das besondere an dieser Auszeichnung ist, dass es nur acht lebende Personen gibt, die damit gewürdigt worden sind.

Mit seiner ganzen Kraft hat Franz Stüwe seine Unternehmen vorangetrieben. Niemals bis zuletzt hatte ich – und wohl auch er - den Eindruck, dass ihm diese Kraft ausginge. 

Mit seinem 65. Lebensjahr hat er sich aus der Geschäftsführung der BBJ-Unternehmensgruppe verabschiedet. Seinem Hobby, dem Golfsport, und weiten Reisen hat er von da an vielleicht etwas mehr Raum gegeben. Aber von einem Austragler konnte so richtig nicht die Rede sein.

Ich weiß, er hatte noch viele Ideen in seinem Kopf, noch vieles, was er gerne verwirklicht hätte. Und nie hatte man den Eindruck, dass er einen Zweifel daran hat, daran gehindert zu werden. Unser Herrgott hat anders entschieden.

Unser Mitgefühl gilt Ihnen, sehr verehrte Frau Stüwe, mit Ihren beiden Söhnen Bernhard und Franz und den beiden Töchtern Julia und Irene. Was wir mit Franz Stüwe in Wirklichkeit verloren haben, wissen nur Sie einzuschätzen.

Uns wird in Zukunft ein hochgeachteter und anerkannter Weggefährte fehlen, viele von uns werden Franz Stüwe als Freund vermissen. Gemeinsam bleiben die Erinnerungen an einen Menschen, der uns immer beeindruckt hat. "


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